Disaster and Crisis Prevention Deployment Group (D.C.D.G.) eG
Pandemien wie Covid, Umweltkatastrophen wie im Ahrtal, Cyberangriffe auf Stromnetze oder die Deutsche Bahn, dazu Unglücke wie Zugentgleisungen oder Hochhausbrände: Katastrophen und Krisen gehören zum Leben. Ihre Gefahrenabwehr und Bewältigung sind für Kommunen und Hilfsorganisationen jedoch sehr komplex.
Um hierbei zu unterstützen haben im Juni 2025 sechs Unternehmen, darunter auch der Service- und Beschaffungsdienst des Deutschen Roten Kreuzes in Hessen und Baden-Württemberg, die Genossenschaft für Katastrophenvorsorge D.C.D.G. eG gegründet. Mit Sitz in Wiesbaden will diese Behörden, Hilfsorganisationen und Gemeinden bei Katastrophenvorsorge, Krisenmanagement‒Beratung und Notfallschulungen unterstützen. Die Abkürzung D.C.D.G eG steht dabei für „Disaster and Crisis Prevention Deployment Group“ (D.C.D.G) und weist langfristig auf eine mögliche internationale Ausrichtung hin.
Stefan Kreuser ist eines der drei Vorstandsmitglieder der Genossenschaft. Er ist Gesellschafter und Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Helmut H. Wolters GmbH, die mit dem ihrem Unternehmensteil Febbex in die Genossenschaft eingestiegen ist. Die Febbex vertreibt international umweltfreundliche Lösch- und Bindemittel.
Ziel: Hilfsmittel, Beratung und Schulung aus einer Hand für den Ernstfall
Die Idee zur Genossenschaft hatte sein Vorstandskollege Matthias Klein, erzählt Kreuser. Klein ist Prokurist bei der DRK Hessen/Baden-Württemberg Service GmbH, die unter anderem den Einkauf von Hilfsmitteln für den Katastrophenschutz organisiert. In der Genossenschaft wollen sich die Gründungsmitglieder darauf spezialisieren, im Krisen- und Katastrophenfall zum Beispiel Produkte wie Notfallbetten, Zelte und Nahrung, aber auch die Beratung und Schulung von Helferinnen und Helfern aus einer Hand, schnell und mit großen Kapazitäten anzubieten. „Alle Mitglieder unserer Genossenschaft sind Unternehmer, die in ihrem Kerngeschäft gewinnorientiert arbeiten müssen.“, sagt Kreuser. „Das ist in unserer Genossenschaft D.C.D.G. anders, hier können wir uns mehr der Sache widmen. Dabei geht es uns darum, Probleme bei Katastrophen und Unglücken gemeinsam zu lösen. Jedes Mitgliedsunternehmen trägt dazu bei und erhält dafür über die Genossenschaft einen stärkeren Marktein- und antritt.“
Die demokratische Mitbestimmung ist für den Vorstand das höchste Gut der Genossenschaft. So hat jedes Mitglied nur eine Stimme, ganz egal, wie viele Anteile je 1.500 Euro es an der Genossenschaft besitzt, und kann so die Geschäftspolitik gleichberechtigt mitbeschließen.
Die Genossenschaft, die bis Ende 2026 noch weitere 14 Unternehmen als Mitglieder gewinnen und auf rund 20 Mitglieder wachsen will, stößt auf großes Interesse bei Hilfsorganisationen, Behörden und Kommunen. Darüber hinaus hat sie bereits eine Reihe von Netzwerkpartnern im Ausland gewinnen können, zum Beispiel das Weiße Kreuz in Italien. Zunächst jedoch wird sich die Genossenschaft auf die Produktentwicklung, Logistik und Beratung konzentrieren.
So will sie für sich, aber auch ihre Kunden, umfangreiche Lager-, Transport- und Logistik-Kapazitäten aufbauen, um große Mengen an Hilfsgütern, wie zum Beispiel Zelte und Nahrungsmittel, zu beschaffen, zu bewegen, aber auch langfristig vorzuhalten.
Innovative Produktentwicklung für Krisen und Katastrophen
Darüber hinaus entwickelt die Genossenschaft innovative Produkte für den Katastrophenschutz und Kriseneinsatz. Auf Symposien und Messen wie zum Beispiel der Feuerwehr oder der Rettungsdienste, scannt sie den Bedarf und passt ihre Produkte und Beratungen entsprechend an. Wichtige Kriterien sind laut Kreuser dabei, dass die Hilfsmittel nachhaltig, leicht handhabbar und aufbaubar, strapazierfähig sowie lange lagerbar sind. Dazu gehören beispielsweise Beleuchtungen, die keine Batterien mehr brauchen, sondern mithilfe von Wasserkontakt leuchten.
So bietet die Genossenschaft unter anderem auch modulare Notfallbetten an, die stapelbar und jeweils mit bis zu 200 Kilogramm belastbar sind. Dazu gibt es noch komfortable Luftmatratzen, um den Liegekomfort bei längeren Einsätzen zu erhöhen. Sehr gefragt sind auch Rollcontainer, die auf LKWs transportiert werden und alles Nötige für eine Erstversorgung enthalten: von Betten und Zelten über Beleuchtungsmittel, Energiefood und Wasseraufbereitung bis hin zu Medizin, Toiletten und Wärmequellen. „Unser langfristiges Ziel ist es, Kommunen, Hilfsorganisationen und Helfer, Dienstleister und Produkte nicht nur in Deutschland, sondern auch über die Ländergrenzen miteinander zu vernetzen“, erklärt das Vorstandsmitglied.
Förderung der Jugendarbeit bei Hilfsorganisationen
Besonders am Herzen liegt der Genossenschaft auch die Förderung und Schulung der vielen Helferinnen und Helfer im Haupt- und Ehrenamt. Kreuser: „Um Katastrophen erfolgreich zu bewältigen, sind neben dem guten Management, der Logistik, der geeigneten Ausrüstung und Versorgung durch professionelle Dienstleister auch viele geschulte Helferinnen und Helfer sehr wichtig. Im besten Falle arbeiten alle Akteure und Akteurinnen professionell Hand in Hand.“ Um dies frühzeitig einzuüben, will sich die Genossenschaft stark auf die Jugendarbeit, unter anderem bei Feuerwehr und Technischem Hilfsdienst, konzentrieren und fördert schon jetzt mit Sach- und finanziellen Spenden deren Arbeit. Die Genossenschaft plant einen Wettbewerb, bei dem Nachwuchskräfte aus Feuerwehr, Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk gemeinsam in simulierten Krisenszenarien Aufgaben bewältigen sollen. Herausragende Leistungen bei Teamarbeit, Koordination und fachliches Können will die D.C:G.D mit Pokalen und Sachpreisen würdigen.
Deutschland gut auf punktuelle Krisen vorbereitet
Und wie ist Deutschland nach Meinung der Genossenschaft auf Krisen- und Katastrophen vorbereitet? „Gut“, sagt das Vorstandsmitglied. „Deutschland hatte bisher nur punktuelle Krisen, keine flächendeckenden. Dafür sind Manpower, Hardware und Technik auf jeden Fall ausreichend vorhanden.“ Alles müsse nur gut aufeinander abgestimmt werden.
Sehr wichtig ist es laut Kreuser auch, die Bevölkerung für den Ernstfall zu schulen. Der Drang zu helfen, müsse zwingend in die geordneten und professionellen Bahnen beispielsweise von Hilfsorganisationen gelenkt werden. Das sei wichtig, damit Menschen sich nicht selbst oder andere gefährdeten oder Hilfsaktionen starteten, die nicht bedarfsgerecht seien.
Beispielhaft hierfür ist laut Kreuser die Flutkatastrophe, die 2021 das Ahrtal und Teile der Eifel erreichte. Bundesweit und mit großer Solidarität für die Flutopfer hätte damals die Bevölkerung enorme Mengen an Altkleidern gespendet. Diese wurden jedoch vor Ort in dieser Menge nicht benötigt und waren zu großen Teilen auch nicht einsetzbar. Der Vorstand: „Hilfsbereitschaft ist ein starkes Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung. Sie entfaltet ihre volle Wirkung jedoch nur dann, wenn sie strukturiert, koordiniert und am tatsächlichen Bedarf ausgerichtet erfolgt. Entscheidend ist daher eine klare Kommunikation, wo und in welcher Form konkrete Unterstützung wirklich gebraucht wird.“